Hildegard und der leuchtende Garten

Eine kleine Geschichte aus dem Mittelalter

Vor vielen hundert Jahren, in einer Zeit voller Burgen, Klöster und handgeschriebener Bücher, lebte in einem Kloster am Rhein eine besondere Frau, die fast wie eine Zauberheilerin wirkte: Hildegard von Bingen.

 

Sie war eine Nonne, aber auch vieles mehr: In ihrem Inneren hörte sie wundersame Musik, sie arbeitete gern im Garten und beobachtete Pflanzen und Tiere – und irgendwann begann sie damit, alles aufzuschreiben, was sie sah und fühlte.

Daher sagten manche, dass Hildegard Visionen habe. Andere hingegen meinten, dass sie viel mehr von der Welt verstand als sie.

 

Eines Tages ging sie durch den Klostergarten und beobachtete, wie das Licht durch die Blätter fiel. Die Kräuter in den Beeten dufteten, die Bienen summten um die Blüten, und plötzlich hatte sie eine Eingebung: Sie sah, wie manche Pflanzen dem Magen helfen, andere dem Kopf und wieder andere dem Herzen.

Sie nannte das »Viriditas« – die grüne Lebenskraft, die in allem wohnt.

Hildegard entschied sich, all ihr Wissen in einem großen Buch zu sammeln und schrieb alles auf, was sie über Pflanzen, Heilmittel, den Körper und sogar die Seele wusste.

Und sie sagte: »Gott hat alles mit Weisheit geschaffen – sogar das kleinste Blatt.«

 

Noch heute sind ihre Bücher bekannt und wir können in ihren Texten lesen, welche Kräuter Menschen früher heilten – und welche Gedanken die Natur in ihnen weckte.