Marie Curie
Die Frau mit dem Leuchten
Vor über 150 Jahren lebte in den engen Straßen von Warschau ein kleines Mädchen, das Zahlen und Bücher über alles liebte. Während andere Kinder draußen spielten und ihre Freunde trafen, saß sie lieber in ihrem Zimmer und steckte ihre Nase in ein Buch. Denn sie wollte so vieles wissen:
»Warum funkeln Metalle?« oder »Warum leuchten Dinge? Wie macht man Unsichtbares sichtbar?«
Doch im Polen jener Zeit durften Mädchen noch nicht die Universität besuchen und so sehr sich Marie auch dagegen auflehnte, es war vergeblich.
So fasste sie einen mutigen Plan: Sie sparte so viel Geld, wie sie konnte, packte eines Tages all ihre Habseligkeiten und ihre Bücher und setzte sich in einen Zug nach Paris. Denn hier durfte sie endlich das werden, was sie sich am meisten wünschte: Wissenschaftlerin!
Doch es war viel schwerer als gedacht: Sie wohnte in einer kalten Dachkammer, aß wenig, um Geld zu sparen und lernte Tag und Nacht. Und bald wurde sie eine der klügsten Forscherinnen der Welt!
Und jetzt konnte sie sich endlich mit dem befassen, was sie schon so lange beschäftigte – dem letzten Geheimnis der Steine.
Gemeinsam mit ihrem Mann Pierre holte sie Unmengen an Gestein aus den Uranbergwerken und brachte es in ihr Labor. Dort zerhackten sie es, versetzten es mit Säure, die Steine wurden gekocht, gefiltert und auf verschiedenste Art und Weise behandelt – und all das nur, weil Marie fest daran glaubte, dass es einen Stoff geben müsse, der stärker strahlte als das Uran selbst.
Und wirklich – nach Jahren harter Arbeit, in denen sie mehrere Tonnen Gestein verarbeitet hatten, hatten sie endlich eine winzig kleine Menge an Polonium und Radium. Stell dir mal die Überraschung vor, als Marie abends das Licht ausmachte und plötzlich ein Leuchten entdeckte: Polonium und Radium, einen Stoff, den es so in der Natur nicht gab!
Für diese Entdeckung sollte sie den Nobelpreis für Physik erhalten. Doch damit nicht genug – sie forschte weiter und einige Jahre später sollte ihr auch der Nobelpreis für Chemie verliehen werden.
Eine wunderbare Auszeichnung für ein kleines Mädchen, das einst allein mit einem Buch auf einer Fensterbank in Warschau gesessen war.
